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Schlau, Schön

Ein Schnittmuster für Freude

Kinder können es noch. Und mir ist es in der letzten Woche auch ganz unerwartet gelungen. Ich habe es mir gutgehen gelassen! Einfach so. Ohne Ansage. Ohne auf die Uhr zu gucken. Was für eine Freude. Und weil die bekanntlich anstecken kann, lasse ich euch heute ein Schnittmuster dafür da.

Freude zum Nachmachen

Ich will euch von einem Tag in der zurückliegenden Woche erzählen. Ein Tag, der ganz anders verlief als geplant. Ein Tag, der das Prädikat „diebische Freude“ verdiente. Ein Tag, der so prickelte wie früher, wenn wir Zahnpasta unter die Klinke vom Lehrerzimmer geschmiert haben. Habt ihr doch auch gemacht, oder? Dann wisst ihr ja was ich meine und wie sich das anfühlt.

Freude an Muenchen

München hatte sein schönstes Himmelblau angezogen

Der riesige Tannenbaum war gerade vor dem Rathaus angekommen. Die raumseelegrünen Zwiebelhauben des Doms glänzten in der Sonne. Ich hatte einen Pressetermin bei Little Greene am Isartor. Ein schöner Termin, denn ich finde, keiner macht so herrliche Tapeten und Farben wie die von Little Greene. Aber es war kein Termin, der ahnen lies, dass mich alsbald die Freudenmuse küssen würde.

Freude zum trinken. Smoothies

Es gab Frühstück und tolle Tapetenmuster 

Ich genehmigte mir einen Smoothie. Eigentlich mag ich Smoothies gar nicht besonders, aber die pastelligen Farben gefielen mir so gut. Ich wählte das müde Grün aus  Grünkohl und Banane und schlürfte mit dem Strohhalm über den Becherboden als der Vortrag begann.

Freude uebertraegt sich. Little Greene CEO Mottershead

Welche Freude, einem Menschen zuzuhören, der das liebt was er tut.

Britischer Humor und Begeisterung sind eine mitreißende Mischung. David Mottershead ist Gründer und CEO von Little Greene. Er war extra aus Wales angereist um zu erzählen. Von den Schätzen, die in alten britischen Herrenhäusern gefunden werden. Von geretteten Tapetenfetzen und Schrankpapier, das man aus Schubladen antiker Vertikos gerettet hat. Von den Geschichten, die hinter Jahrhunderte alten Mustern stecken und von alten Farbtönen, die es wert sind konserviert zu werden bevor sie in Vergessenheit geraten. Little Greene ist eine Company, die mich ehrlich begeistert.

Freude an schoenen Mustern. D. Mottershead Little Greene

Es war nicht nur der Smoothie, der mich mit Energie angereichert hatte.

Ich freute mich darüber, jemanden erlebt zu haben, der auch nach Jahrzehnten noch ungebremst begeistert ist von dem was er tut. Nach der Veranstaltung schlenderte ich gut gelaunt zurück zu meinem Parkplatz. Zuhause auf dem Schreibtisch wartete ein Berg Arbeit auf mich. Nicht nur Angenehmes. Ich öffnete die Autotür. Und macht sie wieder zu. Steckte drei frische Münzen in die Parkuhr und lief grinsend Richtung Viktualienmarkt. Viele Leute im Biergarten in der Sonne. München as it’s best.

In der Fußgängerzone traf ich auf eine Boygroup der etwas anderen Art.
Fünf Herren mittleren Alters. Nichts fürs Auge, dafür umso mehr für Herz und Ohren. Ich kam als sie gerade anfingen das Ave Maria zu spielen. Grandios. Mir kamen die Tränen, so schön. Tränenbächlein, die meine linke Kontaktlinse verrutschen ließen. Ich musste ins C&A gegenüber sprinten um die Linse vor einem Spiegel zurechtzurücken. Als ich zurückkam waren die Herren schon mit  „My heart will go on“ auf der Titanic unterwegs. Auch schön, aber nicht so ergreifend wie das Ave Maria. Der Mann mit der Querflöte warf mir eine Kusshand zu als ich eine kleine Banknote in den aufgeklappten Instrumentenkasten segeln ließ.

Freude an Musik

Ich war so angefüllt mit Freude dass ich jetzt erst recht nicht nach Hause wollte.

Die Arbeit rief laut. Sie pochte und rüttelte an mir. Aber ich hielt dem Drang stand umzukehren. Das fühlte sich gut an.
Immer termintreu, immer korrekt, verlässlich, stets hilfsbereit und wenn jemand schreit, dass das Klavier in den zweiten Stock müsse, bin ich garantiert die erste, die die Ärmel hochkrempelt. Dieses mal nicht. Ich hatte keine Lust auf Klaviere und wollten in meinem Freude – Flow bleiben.

Ein paar 100 Meter weiter stand ein Biss-Verkaufer.
Biss ist die Obdachlosenzeitschrift in München. Heißt in jeder Stadt anders. Ich kaufe immer eine. In jeder Stadt. Und immer runde ich den Preis für das Blättchen auf einen Fünfer auf. Und immer bekomme ich ein warmes Lächeln dafür. Kein geschäftsmäßiges Grinsen, kein Gastronomielächeln. Einfach ein gutes, ehrliches Lächeln. Es ist schön anderen eine Freude zu machen.

Freude am Essen. Gluecksrollen am Viktualienmarkt

Mir war klar, dass die Parkuhr längst abgelaufen war.

War mir piepschurzwurscht. Ich vertraute darauf, dass heute mein Glückstag war und außerdem hatte ich Hunger. In der Sonne sitzen und dabei etwas essen, war mein Plan. Ich ging zu dem kleinen Asialaden am Viktualienmarkt und da stand es schwarz auf weiß sogar auf der Karte: Glücksrollen für dreifünfzig.
Ich bestellte zwei. Dazu Edamamebohnen und Cola und bekam sogar noch einen Lacher zum Dessert. Dieses mal an der Schaufensterscheibe eines kleinen Cafés in der Klenzestraße. Draußen zwei winzige Tische, je zwei Stühle dazu und eine weiße Linie als Umrandung auf dem Trottoir. Im Schaufenster dieser Text! Herrliche Alltagskomik!

Freude an Alltagskomik

Erstaunlich, wie viel Freude ungenutzt in unserem Alltag herumliegt.

Wir müssen wirklich besser hinschauen. Freude ist für jeden etwas anderes. Wir trauen uns aber viel zu oft nicht einfach so, ganz außer der Reihe, ein Freudentänzchen zu wagen. Deshalb lasse ich euch mein Schnittmuster da! Schneidert euch doch euer eigenes Freudenstück!

Ob das hier Werbung ist? Ja, Werbung für Freude!
Und ja, ich werbe auch dafür, dass ihr euch  anzuschaut was Little Greene und der  britische National Trust, Europas größte Denkmalschutzorganisation, zusammen tun um Tradition und alte Muster zu schützen. Spannendes Lesefutter! HIER! 

Und jetzt ist Zeit für Kaffee! Setzt euch zu mir und erzählt von dem Freudentänzchen, das IHR zuletzt aufgeführt habt! :-))))

16 Comments
  • Christina
    13. November 2022

    Guten Morgen liebe Martina
    Guten Morgen liebe Raumseelen
    Danke dass ich dabei sein durfte an diesem tollen Freude-Schnittmustertag!
    Little Green Farben liebe und benütze ich seit Jahren. Es warten wieder einige Schätze darauf, damit verschönert zu werden.
    Es wurde mir beim Lesen bewusst, wie viele Freudentage ich doch habe und dass das Bewusstwahrnehmen von Alltagsdingen und Situationen ein Teil meines Lebens geworden ist und ich denke der Grund dafür.
    Juhui endlich ist mein Münchentrip definitiv gebucht und ich freue mich wie eine Schneekönigin darauf.
    Einen wunderbaren, erholsamen Sonntag wünsche ich euch von Herzen Christina

    • Martina Goernemann
      13. November 2022

      Alles was uns aus unserer Alltagsverschleierung reißt ist gut. Da sind wir Raumseelen uns einig. Bist du zum ersten mal in München? Egal, ob zum ersten, zum zweiten oder zum x-ten Mal … du wirst die Stadt lieben. Hoffentlich musst du nicht hetzen und hast ein bisschen Zeit! Kaffee? :-)))))

      • Christina
        13. November 2022

        …zum xxxxxxten Mal liebe Martina. Ich liebe München und meine Enkelin wohnt zur Zeit da.
        Es ist ein Besuch mit Zeit und Musse und einfach geniessen. Kaffee immer gern, ich hätte ein Stück Aprikosenwähe dazu anzubieten….

  • Ursula aus dem Süden
    13. November 2022

    Guten Morgen,.
    Liebe Martina. Genau das ist es. Den Moment. Die Gelegenheit. Sch… auf die Parkuhr. Übrigens hast du Glück gehabt? Und wenn nicht dann war es das wert.
    Super.
    Kaffee gerne. Setze mich dann einfach mal.
    LG
    Ursula

    • Martina Goernemann
      13. November 2022

      Genau so waren auch meine Gedanken. Wenn sie mich erwischen, dann hat es sich wenigstens gelohnt. Kostet übrigens bis zu 50 Euro in München. „Lohnt sich“ also wirklich. Autsch! Aber sie haben NICHT! War also die Kirsche auf der Freudentorte als ich zurück zum Auto kam. Kaffee kommt sofort. Nimm Platz! :-))))

  • Martina aus NRW
    13. November 2022

    Guten Morgen Martina!
    Was für eine wundervolle Anregung, mal wieder blauzumachen, alle fünf gerade sein zu lassen, die Zeit zu vertrödeln und dadurch zu einer kostbaren Erfahrung zu kommen 🙂 Das herrliche Spätherbstwetter ruft ja geradezu: „komm raus, genieße, erlebe!“ Sich einfach treiben zu lassen ist so herrlich! Es muss ja gar nicht immer ein ganzer Nachmittag sein, eine bewusst genossene Tasse Kaffee in der Sonne, ein Marktbesuch mit netten Gesprächen, ein kleiner Spaziergang in der Mittagspause können ein richtiger Stimmungsbooster sein! In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen sonnigen Sonntag! Ich bin heute bei einem Tanzworkshop und werde die Musik und die Bewegung genießen!!
    Liebe Grüße von Martina aus NRW!!

    • Martina Goernemann
      13. November 2022

      Das hast du herrlich beschrieben, liebe Martina. Blaumachen sollte es auf Rezept geben für uns Ewigfleißigen. Aber wir schaffen das auch ohne dass uns das jemand verordnet, gell? Zeit für einen Kaffee?

  • Martina aus NRW
    13. November 2022

    Immer gerne :))

  • Bea
    13. November 2022

    Hallo Zusammen, ich hatte letzte Woche viele kleine Glücksmomente. Ich war ja auf einer beruflichen Fortbildung in Sonthofen und konnte in den freien Momenten das wunderbare Wetter in dieser tollen Region genießen. Außerdem hatten wir ganz tolle Lernmomente, eine gute Truppe und auch ein super Hotel und ein schönes Rahmenprogramm. Was will man mehr.

    In diesem Sinn noch einen schönen Restsonntag.

    • Martina Goernemann
      13. November 2022

      Du hattest ja schon geschrieben, dass du dich so sehr auf das Allgäu freust. Wie schön, dass es nun auch tatsächlich so toll ist, wie du dir die ganze Veranstaltung vorgestellt hast. Ich freu mich sehr für dich. Zeit für einen Kaffee? :-)))))

  • Bea
    13. November 2022

    Kaffee wie immer gerbe 🙂

  • Eliane Zimmermann
    13. November 2022

    Hier nix wunderbares Wetter, anscheinend landen sämtliche Ausläufer der karibischen Hurricanes momentan hier an der verwundbaren Südwest-Küste Irlands. Nun ja, der viele Regen tut nach dem knochentrockenen Sommer wenigstens den Bäumen gut.

    Ja, es macht mich happy, dass mein (einst) winziger Hüpfer, der nun stramm auf die 30 zugeht, endlich mal wieder ernsthaft verliebt ist. Auch dass ich endlich ein ätzendes Wandregal angebracht und eingeräumt habe, will bis zu den Feiertagen endlich meine beim Umzug im März liegen gebliebenen Projekte fertig haben. Was schrecklich ist, denn manche Wände sind sooo hart, dass ich wohl einen besseren Schlagbohrer benötige, manche sind so weich, dass selbst die teuren Spezialdübel im Puder verschwanden.

    Auch bin ich erleichtert, dass ich nun fast alle „schwierigen“ oder langweiligen Arbeiten für dieses Jahr fast hinter mich gebracht habe. Auch dass mein zweiter Bruder mich „eingeladen“ hat, die Grabrede für unser „kleines Brüderchen“ zu schreiben, diese habe ich verfasst und gestern aufgenommen, denn ich werde nicht für die 30 Minuten Urnenbestattung 12 Stunden in öffentlichen Verkehrsmitteln nach Krefeld reisen, der „Black Friday“ wird für uns leider ein ganz schwarzer Tag.

    Und ganz besonders freue ich mich über meinen Fund von stark schmeckendem koffeinfreiem Bio-Kaffee, den ich heute erstmals in recht großer Menge in meiner neuen schlichten italienischen Cafetière (Made in China!) zubereitete.

    Auf eine freudenvolle Herbstwoche für uns alle!

    • Martina Goernemann
      13. November 2022

      Wie traurig, liebe Eliane. Tut mir leid, dass du Abschied nehmen musst von deinem kleinen Bruder. Ich wünsche dir, dass die kommende Woche trotzdem eine gute für dich wird. Jetzt wird erstmal geschlafen. Es ist spät geworden. Ich könnte noch ein Glas Rotwein anzubieten. Magst du? :-))))))

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