Wenn der Blick nur noch auf die Dinge gerichtet ist, die zu erledigen sind. Wenn „ich muss, ich muss“ in Leuchtschrift über allem steht was wir tun, dann ist es Zeit …

Höchste Zeit unser Ich zu entkräuseln.

Wann mir aufgefallen ist, dass mein Ich einen Durchschnaufer braucht? Ich weiß genau (!) wann das war. Es war letzte Woche am Altglascontainer. Ich brachte unsere Flaschen dorthin, als ein kleiner, roter Smiley in meine Alltagsroutine hineingrinste. Fast hätte ich ihn nicht gesehen, weil ich tausend Sachen im Kopf hatte und stand schon mit der Fußspitze mitten in seinem Gesicht.

Urlaub fuer das ich. Smiley nah

Ein Stück rotes Plastik!

Nicht größer als eine zwei Cent Münze. Aus irgendeiner Tasche gefallen. Er war auf ein Büschel Grünzeug geplumpst, was ihn aussehen ließ, als würde er die Arme ausbreiten und vor Freude hüpfen. Ich hob den Plastiksmiley auf und er schien mir zu sagen: „Wenn du fit wärst, hättest du mich sofort gesehen. Mir scheint, es ist höchste Zeit dein Ich mal in den Urlaub zu schicken.“
Ich wusste sofort, dass er recht hatte. Tüchtig, pünktlich, tough ist ok und führt im Allgemeinen zu einem funktionierenden Alltagsleben, aber von Zeit zu Zeit empfiehlt es sich, den Funktionsmodus abzustellen.

Ich nahm den Smiley mit nach Hause.

Er bezog auf meinem Schreibtisch ein gemütliches Plätzchen neben den Büroklammern und hörte nicht auf zu grinsen.
Ich musste ihm versprechen einen Gang herunterzuschalten. Nicht für immer! Das wäre langweilig, aber für eine kleine Weile. Raus aus dem Hamsterrad, rein in diesen verlockenden Urlaub fürs Ich!

Mein Ich sollte so entspannt sein wie der Kater

Unnütze Dinge tun!

Abschalten! Ich werde mich mitten am Tag in die Sonne rollen und mir sämtliche Entspannungsübungen beim Kater abgucken. Werde mich mit Hingabe um mein Haus kümmern und den Garten nicht nur gießen, sondern auch genießen. Ich werde meinen Balkonäpfeln beim dick und rot werden zuschauen und Rezepte austüfteln, die mir schon lange im Kopf herumspuken.

Urlaub für das ich. Aepfel auf dem balkon

Ich hab nichts Großes vor!

Aber Raum für spontane Entschlüsse muss sein. Urlaub auf der Terrasse, leere Seiten im Kalender! Alles einfach locker machen. Ein paar Tage ohne Ichmussnoch! Essen, trinken und in aller Ruhe schreiben. Einfach schreiben und die Ideen fließen lassen. Nicht zum Briefkasten gehen, selten Emails öffnen. Leinen los und zwanglos in die Tage hineinschippern.

Uralub fuer das ich. Streichen entspannt

Ich will die Wenn-ich-mal-Zeit-hab-Projekte in Angriff nehmen.

Die ollen Hutschachteln endlich streichen, den schönen Standteller vom Flohmarkt und die großen Blechdosen. Tim hat die Blechbüchsen für mich gesammelt als er neulich im Pfadfinderlager zum Küchendienst eingeteilt war. Es waren Tomaten drin und Kichererbsen. Wenn sie weiß gestrichen sind, werden sie Schmuckstückchen sein.

Urlaub fuer das ich. Blechdosen streichen

Ich werde mir Zeit für meine heißgeliebten Hortensien nehmen.

Sie zweimal täglich gießen, weil sie das glücklich macht. Blaubeer- und Johannisbeermarmelade kochen und Etiketten stanzen, die ich an den lecker gefüllten Gläsern baumeln lassen werde. Ich werde ins Kino gehen und mit netten Menschen essen. Meinen Roman dem Ende ein bisschen näher bringen …

Urlaub fuer das ich. Hortensien gehoeren dazu

Im Gegensatz zu den Ichmussnochs sind die Ichwillnochs freiwillig …

Das macht den Unterschied und genau dieser Unterschied ist das, was dem Ich so gut tut.
Ich werde mit offenen Augen durch die Stadt spazieren, das mache ich schrecklich gern. Fotos machen! Endlich wieder die kleinen Dinge sehen. Dinge an denen ich in der Hektik viel zu oft vorbeimarschiere.

Urlaub fuer das ich. Mit Farben geht es besonders gut

Ich werde viele, viele Löcher in meinen Tunnelblick bohren.

Damit das Lockerlassen richtig gut gelingt, schenke ich mir eine Auszeit. Zwei Wochen? Drei? Oder brauche ich die Mega-Dosis?
Am besten machen wir es so: Ich werde am Sonntag, den 4. September sicher wieder da sein. Das ist ein Versprechen!
Wenn mir früher langweilig wird vor lauter locker machen und Löcher bohren in meinen Tunnelblick, dann warte ich ein bisschen früher mit dem Kaffee auf euch.

Wer mag, hinterlässt seine Email-Adresse hier in der Rubrik „Nie mehr einen Beitrag verpassen“.
Dann gibt es automatisch eine Nachricht, falls ich schon früher am Kaffeetisch auf euch warte.
Ich platze vor Unternehmungshunger. Den roten Smiley werde ich als Memo stets in Sichtweite lassen und wenn ich wieder da bin, werde ich euch brühwarm erzählen, was ich erlebt, gedacht und gemacht habe. Versprochen!
Aber jetzt erstmal Kaffee für alle und dann will ich eure Pläne für die kommenden vier Wochen erfahren. Wer fährt weg? Wer macht sich wie ich im Garten breit?
Habt ihr auch solche Projekte, die endlich, endlich mit Liebe und ohne Hektik erledigt werden sollten?  Setzt euch und erzählt. Der Kaffee ist fertig!